Deutschlandbild: Was denken die Asiaten eigentlich über uns?

Written by Seelmann Consultants on April 30th, 2014. Posted in News, Newsletterarchiv

DeutschlandbildIn meinen Beratungen informiere ich westliche Unternehmen auch, wie deren asiatische Geschäftspartner und Mitarbeiter denken und welche Konsequenzen dies dann für die unterschiedlichen Bereiche in der Zusammenarbeit hat.

Immer wieder kommt von Seiten meiner ZuhörerInnen die Frage: „Und was denken die Asiaten eigentlich über uns Deutsche?“Deshalb möchte ich Ihnen heute erzählen, was unsere Partner in Fernost von uns halten. Freuen Sie sich auf einige Überraschungen!

Gerade wir Deutsche fürchten ja  aufgrund unserer Geschichte oft, dass uns diese auch heute noch im Ausland begegnet.

In Bezug auf Asien kann ich Sie beruhigen. Dort genießen wir durchgängig einen guten Ruf. Wir gelten als zuverlässig, unsere Produkte als qualitativ führend. Die Gräuel des Nazideutschland haben Asien nicht erreicht.

Deutschlandbild in Japan

Mit Japan verband Deutschland schon seit dem 16. Jahrhundert eine traditionell freundschaftliche Beziehung, auch wenn die im 19./20. Jahrhundert einigen Schwankungen unterlag. Hitlerdeutschland schloss 1940 mit Japan und Italien den Dreimächtepakt. Es kam zwar zu keiner konkreten militärischen Kooperation zwischen Deutschland und Japan, die symbolische Einheit wirkt jedoch noch nach.

Deutschlandbild in China

In China hatte das kaiserliche Deutschland sogar zwischen 1898 und 1918 eine Kolonie in der nordöstlichen Küstenstadt Qingdao. Aber auch dort hinterließen wir einen guten Eindruck – und die Bierbraukunst. Das typisch chinesische Tsingtao Bier geht also auf deutsche Einflüsse zurück.

Deutschlandbild in  Indien

In Indien oder Pakistan können Sie als Deutsche eine etwas irritierende Reaktion Ihrer Geschäftspartner erleben. „Sie sind aus Deutschland? Ah! Adolf Hitler! Gut!“ Dieses zweifelhafte Kompliment liegt in der Sichtweise vieler indischer Menschen begründet. Da die Mitglieder der höchsten hinduistischen Kaste ja Nachfahren der aus Persien nach Indien eingewanderten Arier sind, sehen sie durch die krude Arier-Ideologie Hitlers quasi eine Verwandtschaft mit uns. Zum Zweiten begrüßten sie aufgrund ihrer kolonialen Vergangenheit mit Großbritannien die Tatsache, dass Hitler England angriff. Und in Pakistan, das mehrheitlich moslemisch ist, findet man die Judenverfolgung Hitlers auch heute noch ganz toll.

Wie gesagt, eine Bewunderung, deren Ursache wir nicht teilen. Nutzen Sie das Gute des Bösen, das heißt profitieren Sie von dem guten Ruf, auch wenn Sie über die Ursachen nicht glücklich sind.

Deutschlandbild: Die ausgleichende Kraft

Mehrheitlich  möchte man in den asiatischen Ländern auch mit uns Geschäfte machen, um die Dominanz von amerikanischen oder japanischen Anbietern zu relativieren.

Und zu guter Letzt sei noch darauf verwiesen, dass Deutsche (im Vergleich zu manchen amerikanischen oder südeuropäischen Geschäftspartnern) oft zurückhaltend und ruhig in ihrem Auftreten sind und deshalb dem asiatischen Ideal eines wohlerzogenen und gebildeten Menschen entsprechen.

Deutschlandbild: Und was ist Deutschland?

Auch wenn es uns in Franken oder in anderen Bundesländern nicht gefällt: Für viele Asiaten ist Deutschland gleichbedeutend mit Bayern. Überall kennt man bayerisches Bier und Neuschwanstein. Natürlich zieren Bilder vom Oktoberfest jede Werbung für eine Reise nach Deutschland.

Mit solchen Vorstellungen reisen dann asiatische Geschäftsleute nach Deutschland. Oder genauer gesagt: asiatische Geschäftsmänner. Ihre Erwartungen in Bezug auf das (attraktive) Aussehen deutscher Frauen speisen sich aus den Bildern üppiger Bedienungen in Dirndln auf dem Oktoberfest. Es gehört oft zum Besuchsprogramm, dass sich Geschäftsmänner aus Fernost mit willigen Damen in einschlägigen Etablissements vergnügen möchten. Die entsprechen dann aber manchmal nicht ihren Wünschen. „Diese Chinesen!“, schimpfte die Chefsekretärin eines Kunden von mir. „Mit nichts sind sie zufrieden. Unser Fahrer sagte, das seien so hübsche Frauen gewesen (Anm: in einem Vergnügungsviertel). Aber die Chinesen beschwerten sich nur: too thin!“

Wie wussten schon die alten Römer? „Varatio delectat“, Abwechslung erfreut. Und dünne Frauen haben die Chinesen ja selbst zu Hause…

Nutzen Sie diese positive Grundeinstellung uns gegenüber und bereiten Sie sich zusätzlich gut auf die Denkweise und Spielregeln Ihrer asiatischen Geschäftspartner vor. So vermeiden Sie nicht nur unfreiwillige Fettnäpfchen, sondern können Ihre Ziele auch effektiver durchsetzen.

 

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