Farbenbedeutung in Asien

Written by Seelmann Consultants on Oktober 14th, 2013. Posted in Newsletterarchiv

Der Osten ist rot!

Die Frage, welche Farben in Asien welche Wirkung haben, stellen sich viele Unternehmen schon im Rahmen ihres Firmenlogos, das heißt ihrer Corporate Identity. Erzielt man mit der in Deutschland so beliebten Farbe Blau in Fernost die gleiche Wirkung wie bei uns? Die Antwort lautet: nur bedingt. Denn Blau gilt in vielen asiatischen Ländern eher als indifferent negativ, auf jeden Fall nicht als erfolgsverheißend. Wenn Sie im Konsumgüterbereich in Asien verkaufen möchten, ist die Frage der Farbgestaltung bei der Verpackung besonders wichtig. Auch beim Aufbau eines Messestandes sollten wir uns Gedanken machen. Und schließlich möchten wir vielleicht auch wissen, mit welchen Kleidungsfarben wir bei unserem asiatischen Gegenüber am meisten Vertrauen erwecken und welche wir vermeiden sollten.

Vorsicht vor Weiß oder dem Schwarz-Weiß-Kontrast

Westliche Designer finden es oft sehr schick, wenn sie uns mit einem Schwarz-Weiß-Produkt beglücken. Im Westen steht Weiß für Reinheit, Unschuld und Tugend. Überall in Asien hingegen bedeutet Weiß Trauer und Tod. Diese Bedeutung hat Schwarz andererseits im Westen. In Asien signalisiert Schwarz Macht und Geld. Nur: die Kombination von Schwarz und Weiß ist dann aber ein „mächtiger Tod“ oder erinnert an einen Friedhof.

Viele deutsche Firmen haben blaue Farbelemente in ihren Firmenlogos. Nun können wir nicht alle unsere CI ändern, vor allem bei großen Firmen ist das nicht mehr möglich. Aber kleinere, häufig eigentümergeführte Unternehmen, sollten sich bei ungünstiger Farbkombination überlegen, diese zu verändern, wenn der Asienmarkt für sie eine entscheidende Bedeutung hat.

Mit Rot auf der sicheren Seite…

Jeder, der schon in Asien war, hat erlebt: der Osten ist rot! In den Straßen dominieren die roten Werbeflächen, auf den Messen herrschen rote Farbelemente in jeder Hinsicht vor. Die Braut in Indien oder China heiratet in Rot – auch wenn es vor allem bei reichen Chinesen mittlerweile schick ist, am Vormittag im westlich-weißen Brautkleid das Eheversprechen zu geben und am Nachmittag dann im traditionell roten chinesischen Gewand. So ein Verhalten ist möglich aufgrund des chinesischen Prinzips „Westliches zum Gebrauch, Östliches als Substanz.“

… nicht immer!

Wenn Sie also die Möglichkeit haben, rote Farbelemente zu verwenden, sollten Sie das tun. Vor allem wenn es um die Verpackung von Geschenken geht, sind Sie mit einem roten Papier und einer goldenen Schleife auf der sicheren Seite. Vorsicht jedoch bei einem Text: wenn dieser durchgängig in Rot geschrieben ist, bedeutet das Tod! Ein Kunde von mir aus der Modebranche hatte seine Visitenkarten so designen lassen. Die asiatischen Vertriebsleute änderten dies sofort, weil sie sich damit bei einem potentiellen Kunden nie hätten vorstellen können.

Kleidungsfarben

Natürlich können Sie zu Ihrem Anzug (schwarz, blau) ein weißes Hemd tragen. Bei der Farbe der Krawatte bleiben Sie jedoch bitte konservativ. Manche außergewöhnlichen und bunten Kreationen westlicher Designer würden bei Ihren asiatischen Geschäftspartnern nur Irritationen hervorrufen. Man zweifelt an Ihrer Seriosität. Auch westliche Geschäftsfrauen sollten nicht allzu schrill-bunte Blazer oder Kleider wählen.

Geschichten, die das Leben schreibt

Vor einigen Jahren war es eine Zeitlang Mode, dass Männer schwarze Hemden mit schwarzen oder dunkel gehaltenen Krawatten tragen. Dieser vom Schauspieler Dustin Hoffman inspirierte Trend ließ einen Kunden von mir fragen, ob er so etwas auch in Asien tragen könnte. Ich riet ihm unter Hinweis auf die eher konservativ gehaltene Mode im asiatischen Geschäftsleben ab. Als er dann in Hongkong von seinem chinesischen Kollegen am Flughafen abgeholt wurde, trug dieser… ein schwarzes Hemd mit einer schwarzen Krawatte. Beim Essen verwies er ausdrücklich darauf, dass er dadurch zeigen wolle, wie westlich er schon sei… Wir amüsierten uns köstlich über diese Geschichte.

Warum die Berater von Angela Merkel diese jedoch nicht davon abhielten, beim Staatsbesuch in China eine weiße Jacke zu tragen, bleibt mir ein Rätsel.

Sie sehen:
es lohnt sich, neben Know How auch Know Why zu kennen!

 

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