Warum wir asiatische Kollegen oft unabsichtlich kränken

Written by Seelmann Consultants on November 30th, 2021. Posted in News, Newsletterarchiv

sorry2Gefahren und Stolpersteine in der Zusammenarbeit mit asiatischen Kollegen werden oft erst nach leidvollen und negativen Erfahrungen erkannt. Heute möchte ich Ihnen zeigen, warum wir unsere Kooperationspartner unabsichtlich verletzen oder selbst aufgrund des Verhaltens unserer asiatischen Mitarbeiter enttäuscht und verärgert sind.

 „Gehen Sie mit dem Golfschläger auf den Tennisplatz?“

Diese Frage stelle ich interessierten Kunden, wenn sie sich überlegen, ob ihre Mitarbeiter überhaupt Unterstützung für die Zusammenarbeit mit asiatischen Kollegen benötigen. Immer noch erhält die Mehrzahl der deutschen Mitarbeiter im Asiengeschäft keinerlei Vorbereitung. Expatriates (Mitarbeiter, die nach Asien entsandt werden) oder Firmenangehörige, die von Deutschland aus mit asiatischen Kollegen zusammenarbeiten, werden meist ins kalte Wasser geworfen. Oder: „Learning by doing ist noch immer der beste Weg!“.

Gründe für die mangelnde Unterstützung

Ein Grund für so eine Einstellung ist für mich die Ähnlichkeitsfalle: Wir schließen vom äußeren, westlichen Auftreten unserer asiatischen Kollegen darauf, dass diese schon „wie wir“ sind. Vielleicht haben die Kollegen sogar in Deutschland studiert und sprechen unsere Sprache gut. Dann scheint alles klar zu sein: Die denken und fühlen wie wir!

One-World-Culture?

Des Weiteren verlassen wir uns gerne auf den Glauben, dass Handel Wandel bringen wird. Durch die wirtschaftlichen Beziehungen werden auch Asiaten schnell erkennen, wie „überlegen“ die westlichen Werte sind – und sie natürlich übernehmen. Und als weiteren Grund möchte ich nennen: Viele Menschen kommen einfach NICHT auf die IDEE, dass es andere Denk- und Wertsysteme als ihr eigenes gibt.

Unabsichtliche Verletzungen

Niemand in den Unternehmen möchte wohl seine asiatischen KollegInnen absichtlich verletzen. Natürlich gibt es Menschen, die der Meinung sind, wenn Asiaten für eine deutsche Firma arbeiteten, dann sollten sie sich gefälligst anpassen. Ich spreche hier bewusst nicht über ein Kunden-Lieferanten-Verhältnis. Denn in diesem Fall ist klar: Einen asiatischen Kunden brüskiert oder beleidigt man nur einmal. Dann hat man ihn für immer verloren.

Typische Gefahren und Stolpersteine

Unterschiedliche Kommunikationsstile und -regeln sind der Hauptgrund aller Missverständnisse. Unser indischer Kollege fragt uns, ob wir zusammen zum Mittagessen gehen wollen? „Nein, heute passt es nicht“ ist unsere offene und direkte Antwort. Für den indischen Kollegen stellt dies schlichtweg ein grobes Verhalten dar. Er fühlt sich, als wäre er geohrfeigt worden. Er hätte bei einer Frage von Seiten des Deutschen entweder kurzfristig seine Pläne geändert oder sich entschuldigt und sofort einen anderen Termin vorgeschlagen.

Ehrlichkeit oder Diplomatie?

„Ja soll ich denn die ganze Zeit nur lügen?“, fragen oft deutsche Teilnehmer in meinen Veranstaltungen, wenn ich sie bitte, nicht immer geradeheraus „nein“ zu sagen, sondern ihre Ablehnung ein wenig freundlicher zu verpacken.
Umgekehrt fühlen sich westliche Menschen einfach nur angelogen, wenn sie z.B. nach ihrem Wunsch auf ein Treffen um 10.00 Uhr ein „ja, ja“ hören – der asiatische Kollege aber um 10.00 Uhr schlicht nicht auftaucht. Ein „ja“ in Asien heißt meist nur: „Ich habe verstanden, dass du eine Frage gestellt hast“.

Enttäuschung auf beiden Seiten

Wir merken nicht, wie oft wir den asiatischen Kollegen düpieren oder beleidigen. Er wird diese Verletzung nicht zeigen, vielleicht sogar lächeln. Und uns schon gar nicht auf unser falsches Verhalten hinweisen. Er wird die Firma verlassen. Dies, nachdem wir ihn gut qualifiziert haben. Und die deutsche (verständliche) Reaktion lautet dann meist: „Die asiatischen Kollegen sind einfach nur hinterhältig und unzuverlässig“.

Gehen Sie mit dem Tennisschläger auf den Tennisplatz!

Damit Sie Ihre Ziele im Asiengeschäft schnell erreichen, damit Sie Ihre asiatischen Kollegen nicht unabsichtlich beleidigen oder demütigen, sollten Sie sich nicht nur mit Etikettekursen rüsten, sondern mit fundiertem Wissen: Wie ticken Ihre asiatischen Kollegen? Warum ticken sie, wie sie ticken? Wie sollten Sie sich verhalten, damit Ihre gut qualifizierten asiatischen Teammitglieder gerne in Ihrem Unternehmen arbeiten?

Spielen Sie nach asiatischen Regeln – ich helfe Ihnen gerne dabei!

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