China – eine blühende Wiese voller Tretminen

Written by Seelmann Consultants on April 17th, 2015. Posted in News, Newsletterarchiv

BlumenwieseHeute möchte ich Ihnen einen kleinen Einblick in einen besonderen Bereich meiner Beratungsarbeit gewähren, nämlich der Krisen- & Risikoberatung für China. Aufgrund der weltwirtschaftlichen Bedeutung des Reichs der Mitte und den Marktchancen erscheint das Land vielen Unternehmen wie eine blühende Wiese. Oft vergessen sie jedoch die Tretminen, die in dieser historisch einmaligen Melange einer „sozialistischen Marktwirtschaft“ verborgen sind.

Stellen Sie sich bitte vor, ein Mitarbeiter von Ihnen verunglückt am Wochenende tödlich. Am Montagmorgen stehen Familienmitglieder in Ihrem Büro und fordern Geld. Undenkbar für uns, aber Alltag in China. Dort sieht man den (westlichen) Arbeitgeber auch in der Pflicht, wenn ein Todesfall in der Freizeit passiert. Und wenn chinesische Autofahrer mit einem westlichen PKW einen schweren Unfall haben, dann wollen sie ebenfalls erst einmal Geld vom deutschen Hersteller. Denn der trägt Schuld, wenn er solche todbringenden Autos verkauft und damit die Alterssicherung z.B. für die zurückbleibenden Eltern gefährdet hat.

Forderungen gehen mit Drohungen einher

Weigern sich westliche Firmen, auf solche Forderungen einzugehen, folgen Drohungen. Die Mitarbeiter würden den Werkszugang blockieren, die Gewerkschaft würde eingeschaltet und im Falle der Autounfälle warnt man vor reputationsschädigenden Presseberichten. Und sicher gäbe es immer einige Dinge, welche die Behörden in China interessieren würden?

Nur selten gelangen solche Ereignisse in die deutschen Medien. Es ist eine Ausnahme, wenn z.B. Vertreter der Simba-Dickie-Gruppe berichten, dass die chinesischen Mitarbeiter den deutschen Geschäftsführer kurzfristig als Geisel nahmen, um bei der Werkschließung höhere Abfindungen durchzusetzen.

Falsche Reaktionen im Krisenfall können den GAU bewirken

Verletzungen des geistigen Eigentums oder Fluktuationsraten bis zu 30 Prozent sind Dinge, die westliche Unternehmen anscheinend schulterzuckend akzeptieren (müssen?). Wenn chinesische Geschäftsführer in die eigene Tasche wirtschaften, ist das ärgerlich. Wenn sie mit finanzieller und logistischer Unterstützung der deutschen Mutter ihr eigenes Werk aufbauen und dann mit den Produkten in Konkurrenz zum deutschen Mittelständler treten, kann so ein finanzieller Verlust manchmal sogar den Bestand der Firma in Deutschland gefährden. Allen Beispielen gemein ist die Tatsache, dass sie sich bei falschen Reaktionen auf deutscher Seite zum GAU auswirken können. Kennt man diese Tretminen, kann man sie hingegen schon bei der Gründung einer Niederlassung in China entdecken. Oft lassen sie sich aber auch später noch entschärfen, wenn man weiß, wie das geht.

Das alles, wie gesagt, sind Themen in meinem Beratungsalltag.

Eine gute und eine schlechte Nachricht

Die gute Nachricht ist: Es gibt Lösungen für solche Probleme im Chinageschäft. Wenn auch hier meine Vorschläge meine westlichen Kunden oft zunächst etwas erstaunen.

Die schlechte Nachricht ist: Viele westliche Investoren ignorieren bei ihrem China-Engagement immer noch grundlegende Rahmendbedingungen. Sie machen keine ernsthafte Risikoprüfung und unterstellen meist selbstverständlich eine westliche Denkweise bei ihren chinesischen Partnern.

Deshalb hier nur ein paar Hinweise, die Sie bei Ihrem Chinageschäft immer und von Anfang an berücksichtigen sollten.

KP Mitglieder sind entscheidende Akteure auch im Geschäftsleben

China nennt sich „sozialistische Marktwirtschaft“. Das heißt im Klartext, dass die entscheidenden Akteure im Wirtschaftsleben Mitglieder der kommunistischen Partei sind. Man nennt sie auch die roten Prinzen und Prinzessinnen. Für sie gilt ihr eigenes Recht. Und das schlägt sich vor allem in einem millionenschweren Konto nieder. Natürlich gibt es Gesetze in China. China ist jedoch kein Rechtsstaat, in dem man sich auf eine Judikative oder die Gültigkeit von Verträgen verlassen kann.

Der Schutz geistigen Eigentums ist ebenfalls nicht selbstverständlich gewährleistet. Immer wieder kommt es auch in prominenten Joint Ventures, wie z.B. dem zwischen VW und seinem chinesischen Partner First Automotive Works (FAW), zu unglaublichen Vorfällen und Ideenklau. Aber wie schreibt ein westlicher Kommentator richtig: „Zum Know-how-Klau gehören immer Zwei. Einer, der sich das Wissen unerlaubt verschafft und einer, der es sich vor seinen Augen wegschnappen lässt.“

Hier finden Sie übrigens die chinesische Logik und Argumentation in Bezug auf den Umgang mit Patenten.

Passen Sie Ihre Mitarbeiterführung chinesischen Erwartungen an

Beschäftigen Sie sich auch mit der Denkweise und dem Wertesystem chinesischer Mitarbeiter! Zum einen können Sie nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass diese die Qualifikation haben, die sie vorgeben. Bedenken Sie zum Zweiten auch, dass das Loyalitätsverhalten Ihrer chinesischen Mitarbeiter von Umständen abhängt, an die Sie nicht selbstverständlich denken.

Und fragen Sie sich bitte auch, warum chinesische Mitarbeiter in Deutschland studieren oder arbeiten können. Um China zu verlassen, braucht man ein Visum. Und um ein Visum zu erhalten, benötigt man einen Reisepass. Die Mehrzahl chinesischer Menschen hat jedoch keinen Reisepass…

Risiko-Check ist billiger als Konfliktbehebung

Ein fundierter und umfassender Risiko-Check für diesen vielschichtigen Markt erfordert meist nicht mehr als einen Tag Beratung. Hier, wie überall, gilt: Vorsorge ist billiger als Krisenbewältigung. Und der rote Drache ist noch immer kein Schmusetier.

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